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  Nach Missbrauchsskandalen in Der Kirche: Ruf Nach Papst-Stellungnahme

TVA
März 7, 2010

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GERMANY -- Zum Missbrauchsskandal in katholischen Einrichtungen sieht die Reformbewegung «Wir sind Kirche» auch bei Papst Benedikt XVI. Klärungsbedarf.

«Denn Joseph Ratzingers Amtszeit als Münchner Erzbischof von 1977 bis 1982 gehört genau zu den Jahren, um die es bei den Missbrauchsfällen geht», sagte «Wir sind Kirche»- Sprecher Christian Weisner der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. Deshalb dränge sich die Frage auf, ob der damalige Münchner Erzbischof auch Kenntnis von solchen übergriffen gehabt habe - und falls ja, wie er damit umgegangen sei. Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper sagte, kirchenintern sei eine «ernsthafte Reinigung» notwendig.


Es sei gut, dass der Papst Klarheit schaffen wolle und «Null- Toleranz» denen gegenüber verlange, die sich mit so schwerer Schuld beschmutzten, sagte Kasper der römischen Tageszeitung «La Repubblica» (Samstag). Auch aus einer Notiz der vatikanischen Tageszeitung «Osservatore Romano» (Samstag) geht hervor, dass der Vatikan Klarheit und Gerechtigkeit für Missbrauchsopfer in katholischen Einrichtungen will.

Die von «Wir sind Kirche» geforderte Stellungnahme des Papstes wäre ein hilfreiches Zeichen, sagte Weisner. «Denn totale Offenheit ist der einzige Weg, das Vertrauen in die Amtskirche und vor allem in die Kirchenleitung wiederherzustellen.» Am Freitag waren Einzelheiten zu Missbrauchsfällen im oberbayerischen Kloster Ettal und bei den Regensburger Domspatzen bekanntgegeben worden. Ettal liegt im Erzbistum München und Freising, ist als Kloster jedoch autark.

Auch Papstbruder Georg Ratzinger (86) müsse sich Fragen zum Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen gefallen lassen, sagte Weisner. Georg Ratzinger leitete die Domspatzen von 1964 bis 1994. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller betonte im «Osservatore Romano» (Samstag), dass die «in Erinnerung zurückgerufenen» Missbrauchsfälle bei den Domspatzen nicht Georg Ratzingers Amtszeit beträfen. «Ich habe von übergriffen nichts mitbekommen», sagte Georg Ratzinger der «Bild»-Zeitung (Samstag). «Bei uns ging es streng zu, aber das war nötig, weil ja Leistung gefordert wurde.»

«Warum der Papstbruder Georg Ratzinger, der seit 1964 Domkapellmeister war, davon nichts mitbekommen haben soll, ist mir unerklärlich», sagte dagegen der Regisseur und Komponist Franz Wittenbrink, der bis 1967 im Regensburger Internat der Domspatzen lebte, dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Er sprach von einem «ausgeklügelten System sadistischer Strafen verbunden mit sexueller Lust», das dort bestand. Der damalige Internatsdirektor habe sich «abends im Schlafsaal zwei, drei von uns Jungs ausgesucht, die er in seine Wohnung mitnahm». Dort habe es Rotwein gegeben und der Priester habe mit den Minderjährigen masturbiert. «Jeder wusste es», sagte Wittenbrink. In seinem Jahrgang habe ein Mitschüler kurz vor dem Abitur Selbstmord begangen.

Die Reformbewegung «Wir sind Kirche» fordere von den Bischöfen nach den Missbrauchsfällen ein sichtbares Zeichen der Reue, sagte Weisner. «Eine auf einer Pressekonferenz abgelesene Entschuldigung reicht nicht aus.» Als Zeichen der Reue könnte die Deutsche Bischofskonferenz eine gut dotierte Stiftung zur Vorbeugung gegen sexuellen Missbrauch gründen, sagte Weisner. Themen für eine solche Stiftung könnten eine breit angelegte Präventionsstrategie, Reformansätze für die Priesterausbildung und eine Neuausrichtung der kirchlichen Sexualethik sein.

Staatssekretär Max Stadler (FDP) im Bundesjustizministerium hält die Einberufung eines Runden Tischs aller Betroffenen zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle für dringender denn je. Wenn sich alle Beteiligten darauf verständigten, dann könne dabei auch über Entschädigungen bereits verjährter Fälle geredet werden, sagte Stadler der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Focus» ist der oberste Benediktiner, Abtprimas Notker Wolf, verärgert über die Aktivitäten der Erzdiözese München und Freising nach den Missbrauchsfällen im Benediktinerkloster Ettal. Es müsse geklärt werden, «ob die Erzdiözese so mit einer Abtei umgehen kann, wie sie es jetzt tut, beispielsweise die Schließung der Schule anzudrohen, falls der Schulleiter nicht zurücktritt, ohne dass diesem das Geringste vorgeworfen werden kann», sagte Wolf.

Der Missbrauchsskandal birgt nach Ansicht von Bayerns Justizministerin Beate Merk ernste Gefahren für das Verhältnis von Staat und Kirche. Die CSU-Politikerin mahnte vor allen eine bessere Zusammenarbeit der Kirche mit der Justiz an. «Es gibt Fälle, in denen es nicht so läuft, wie es laufen sollte», sagte Merk der «Süddeutschen Zeitung» (Samstag).

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Joseph Ratzinger's tenure as archbishop of Munich from 1977 to 1982 are the years that abuse was happening in the archdiocese, according to Christian Weisner of We Are Church. The question now arises whether the then-archbishop knew of the sexual attacks. If he did know, then how did he handle the allegations?

German Cardinal Walter Kasper said the church is in need of serious cleaning. Kasper said it is good that the pope has brought clarity and a zero tolerance policy toward those who abuse children and young people. The Vatican newspaper Osservatore Romano on Saturday said it appears the Vatican wants clarity and justice for victims of abuse in Catholic institutions.

Weisner said total openness is the only way to restore confidence in the official church especially in the church leadership. New details of abuse emerged Friday in the Upper Bavarian monastery of Ettal and within the Regensburg cathedral choir. Ettal is located in the Munich archdiocese but is self-sufficient as a monastery.

The pope's brother, Georg Ratzinger, must also answer questions about the abuse scandal in the cathedral choir, said Weisner. He headed the choir from 1964 to 1994. Gerhard Ludwig Muller, bishop of Regensburg, emphasized on Saturday in Osservatore Roman that Georg Ratzinger does not remember cases of abuse in the choir.

Franz Wittenbrink, director and composer at the cathedral choir, said it is inexplicable to him that Georg Ratzinger knew of no abuse in the choir since he had been there since 1964. The abuse was well-known, he said.

 
 

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