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  Orden Will Zahlen

The Taz
January 25, 2011

http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/orden-will-zahlen/

Der Jesuitenorden kundigt an, Opfer des sexuellen Missbrauchs in seinen Internaten schnell zu entschadigen. Allerdings blo? mit 5.000 Euro pro Person. VON PHILIPP GESSLER

Von hier nahm der Skandal seinen Lauf: das Berliner Canisius-Kolleg. Foto: ap

Der Jesuitenorden will die Missbrauchsopfer an seinen Schulen "moglichst bald" entschadigen. Das kundigte der Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, in einem Interview mit der taz an. Bei "angenommenen 5.000 Euro" pro Person, so erklarte der Geistliche, waren das bei 205 anerkannten Opfern eine Million Euro. Er sicherte zu, es werde "keine komplizierte Verfahren" geben fur die Opfer: "Wir haben sie anerkannt und werden auszahlen." Der Leiter der Jesuitenschule sagte, er sei nicht der Einzige, der dafur kampfe, "dass es bald kommt".

Stefan Kiechle, der Leiter ("Provinzial") der deutschen Ordensprovinz, hatte schon im September eine Zahl von 5.000 Euro als eine mogliche Summe genannt. Wie Mertes hatte auch er einen Betrag in vierstelliger Hohe als mogliche Entschadigung ins Spiel gebracht. Mertes sagte nun, bei 5.000 Euro wurde die Gesamtsumme von eine Million Euro auf den Orden zukommen. "Das tut uns weh", sagte Mertes.

Ein Betroffener von der Selbsthilfegruppe der Missbrauchsopfer durch die deutschen Jesuiten, "Eckiger Tisch" genannt, zeigte sich sehr skeptisch uber diese Summe. Das Missbrauchsopfer wollte aber nicht mit Namen genannt werden. Er sagte der taz, der Betrag von 5.000 Euro sei "mehr als enttauschend". Diese Summe sei "dem Lebensschaden der Betroffenen nicht angemessen".

Vor knapp einem Jahr hatte Rektor Mertes mit einem Brief an ehemalige Schulerinnen und Schuler seines Kollegs den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Deutschlands ausgelost. Der Skandal erschutterte nicht nur die hiesige Kirche bis ins Mark, auch au?erhalb der katholischen Kirche wurde eine gro?e Debatte uber den sexuellen Missbrauch von Kindern durch diese Aufklarung angeregt. Auch die evangelische Kirche in Deutschland sowie die reformpadagogische "Odenwaldschule" mussten Missbrauchsfalle in ihren Reihen einraumen.

Mertes betonte in der taz, dass die angenommene Pauschalzahlung von 5.000 Euro nicht die letzte Zahlung an die Opfer sein musse. "Mir personlich schwebt vor als zweiter Schritt, dass betroffene Institutionen gemeinsam einen Fonds grunden, aus dem heraus man dann in einem gezielten Verfahren Entschadigungszahlungen im eigentlichen Sinne zahlt, zum Beispiel fur Therapiekosten, die nicht mehr erstattet worden sind und bei denen Opfer sich verschuldet haben."

Dieser Fonds konnte dann auch gro?er werden als der Gesamtbetrag, der fur die Pauschalzahlungen vorgesehen ist. "Aber die Forderung nach einem pauschalen Entschadigungsbetrag hat letztlich nicht den Sinn einer angemessenen Entschadigung, sondern der Anerkennung des zugefugten Leids unter der Rucksicht, dass die Entschuldigung allein nicht reicht." Der Jesuit unterstrich: "Es ist also eine Geste im Rahmen eines kommunikativen Prozesses. Und ob die Geste, die ernst gemeint ist, auch als solche angenommen wird oder lacherlich gemacht wird, daruber konnen wir nicht verfugen", so Mertes. "Es ist aber eine ernst gemeinte Geste."

Der Rektor fugte hinzu: "Wenn es uberhaupt eine Institution gibt, die sich positiv, grundsatzlich positiv zur Frage des Entschadigungsfonds geau?ert hat, dann ist es ja die Kirche." Mertes sagte: "Die Bundesjustizministerin hat ihr Interesse am Thema, nachdem sie ihren antikatholischen Affekten zunachst freien Raum gegeben hat, ganz schnell verloren. Von staatlicher Seite lauft da uberhaupt nichts."

 
 

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