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  Jede Zweite Behinderte Frau Opfer Von Missbrauch

The Welt
November 28, 2011

http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13729380/Jede-zweite-behinderte-Frau-Opfer-von-Missbrauch.html

Eine neue Studie offenbart Schreckliches. Fast jede zweite Frau mit Behinderung wird Opfer sexuellen Missbrauchs – vor allem in Betreuungseinrichtungen.

Einer Studie zufolge ist fast jede zweite korperlich behinderte Frau schon mal Opfer sexueller Ubergriffe geworden. Nach Informationen der "Neuen Osnabrucker Zeitung" zeigt das eine Erhebung der Universitat Bielefeld, die das Bundesfamilienministerium vorstellen wird. Bundesfamilienministerin Kristina Schroder (CDU) nannte das Ausma? in dem Bericht "erschreckend hoch" und kundigte schnelle Hilfe fur die Opfer an.

In der Umfrage haben die Wissenschaftler teilweise in vereinfachter Sprache 1561 blinde, gehorlose und korperlich beeintrachtigte Frauen zwischen 16 und 65 Jahren befragt. Danach sind Frauen mit Behinderungen und Beeintrachtigungen zwei bis dreimal haufiger Opfer von Missbrauch als der weibliche Bevolkerungsdurchschnitt.

Anteil der Opfer hat sich seit 2004 verdreifacht

Mit 31 Prozent seien fast ein Drittel der in Betreuungseinrichtungen lebenden Frauen von sexuellen Ubergriffen betroffen. In einer Vorgangerstudie aus dem Jahr 2004 betrug dieser Anteil noch 10 Prozent.

Die aktuelle Erhebung weist aus, dass insgesamt jede dritte bis vierte Frau mit Behinderung in ihrer Kindheit und Jugend sexuelle Belastigung erlebt. Im Erwachsenenleben setze sich dies vielfach fort. Jede dritte bis funfte Frau gibt in der Studie erzwungene sexuelle Handlungen an. In der Vorgangerstudie waren dies nur 13 Prozent der Befragten gewesen.

Ferner gaben mehr als 80 Prozent der Frauen an, unter Diskriminierung zu leiden. Mindestens eine Situation korperlicher Gewalt im Erwachsenenleben haben nach der Studie etwa zwei von drei Frauen erlebt, das seien fast doppelt so viele wie noch 2004.

Ministerin Schroder sprach von einer schlimmen Nachricht. Gut daran sei lediglich "dass mit diesen Erkenntnissen endlich mehr Licht in dieses grausame Dunkel gebracht wird". Nur wer das Ausma? von Gewalt und Missbrauch kenne, konne dagegen wirksam einschreiten.

Nach Schroders Worten wird mit dieser Befragung eine wichtige Lucke geschlossen, nachdem mit den Runden Tischen zum Kindesmissbrauch und zu Heimkindern bereits weite Bereiche der Gewalt- und Missbrauchsproblematik in den Blick genommen worden seien.

"Gewalt kommt uberall vor, wo Menschen auf Fursorge vertrauen"

Viel zu lange seien in Deutschland bei neuen Fallen von Gewalt- und Missbrauchsopfern die besonderen Umstande von Kinderheimen, Schulen, kirchlichen Einrichtungen oder Sportvereinen in den Fokus geruckt worden, betonte sie. "Mittlerweile mussen wir feststellen: Korperliche und sexuelle Gewalt kommt praktisch uberall vor, wo Menschen auf Betreuung und Fursorge vertrauen und dieses Vertrauensverhaltnis ausgenutzt werden kann."

Die Hauptaufgabe sieht Schroder jetzt darin, zuverlassige Strukturen einzurichten, damit Missbrauchsopfer schnelle und gute Hilfe selbststandig erreichen konnten. Besser noch sei es, aktiv auf mogliche Opfer zuzugehen. "Dabei mussen wir darauf achten, dass wir den Balanceakt zwischen der notigen Sensibilitat fur Hilferufe einerseits und der Vermeidung eines Klimas des Misstrauens andererseits hinbekommen", sagte die Ministerin der Zeitung. Denn dem hohen Ma? an Gewalt und Missbrauch stehe immer noch ein Vielfaches an ehrlicher Fursorge und liebevoller Betreuung gegenuber.

 
 

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