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Glaubwurdigkeit Hinterfragen

domradio
March 29, 2012

http://www.domradio.de/aktuell/80885/glaubwuerdigkeit-hinterfragen.html

[mit Video]

Stephan Kronenburg

Die Verantwortlichen des Bistums Trier sehen sich erneut mit Vorwurfen zum Umgang mit padophilen Priestern konfrontiert. In einer Gemeinde des Bistums soll ein Priester mit Kommunionkindern einen Gottesdienst gefeiert haben. Der Mann war vor 17 Jahren zu einer zweijahrigen Bewahrungsstrafe verurteilt worden, weil er Madchen sexuell missbraucht hatte. Im domradio.de-Interview nimmt der Sprecher des Bistums, Stephan Kronenburg, Stellung.

domradio.de: Schon vor diesem Fall war bekannt geworden, dass mindestens sieben padophile Geistliche im Bistum Trier weiterhin beschaftigt sind. Die katholische Kirche hat inzwischen klare Auflagen, zum Beispiel, dass die Manner nicht in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt werden durfen. Viele Eltern sind jetzt entrustet, wie konnte es dennoch dazu kommen?

Kronenburg: Man muss zunachst sagen in dem aktuellen Fall wird der Pfarrer nach wie vor nicht in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt. Das gilt also nach wie vor. Damit ist gemeint, dass vor allem vermieden werden soll, dass er oder andere Tater sich alleine mit Kindern und Jugendlichen aufhalten. Der Fall, den wir jetzt hatten, ist, dass ein Gottesdienst gefeiert wurde, bei dem sich auch Kommunionkinder vorgestellt hatten. Da befindet er sich als Tater, als ehemaliger Tater, in einem offentlichen Raum. Will hei?en, eine Gefahr fur Kinder und Jugendliche besteht von daher nicht. Nichtsdestotrotz haben wir naturlich Verstandnis dafur, dass insbesondere auch die Eltern dieser Kommunionkinder es problematisch finden, wenn dieser Pfarrer ausgerechnet einen Gottesdienst halt, indem sich Kommunionkinder vorstellen.

domradio.de: Nun hat die Aufarbeitung solcher Falle auch in der katholischen Kirche gezeigt, dass gerade diese Tater es perfekt beherrschen, Offentlichkeit auszuschliessen. Kann man da uberhaupt kontrollieren?

Kronenburg: Ja, man kann, glauben wir, schon kontrollieren. Wie gesagt, hier handelt es sich um einen Gottesdienst. Er befand sich ja in einem offentlichen Raum. Er hat diesen Gottesdienst auch aushilfsweise in einer anderen Pfarrei gehalten als der, in der er normalerweise im Einsatz ist. Von daher gehen wir davon aus, dass man das schon kontrollieren kann. Wenn man das nicht konnte, dann wurden wir das auch nicht zulassen.

domradio.de: Viele Menschen haben kein Verstandnis mehr dafur, dass die katholische Kirche Tater uberhaupt im Amt lasst und immer lauter werden die Forderungen, dass Priester, die straffallig geworden sind, nicht mehr in die Seelsorge gehoren. Diese Forderung erheben auch Opferorganisationen, wie begrundet die katholische Kirche, dass Tater uberhaupt im Amt bleiben durfen?

Kronenburg: Zunachst einmal kann man auch hierzu sagen, dass wir das Problem durchaus sehen. Es ist in der Tat eine Frage, inwieweit jemand weiter glaubwurdig als Priester arbeiten kann, wenn er Missbrauchstater geworden ist. Nun ist es andererseits so, dass die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz, die ja vor knapp zwei Jahren in Kraft gesetzt wurden, schon vorsehen, dass es eben einen begrenzten Einsatz unter Auflagen in der Seelsorge geben kann. Diese Leitlinien sind auch entstanden, nicht nur innerhalb der Bischofskonferenz, sondern unter einer breiten Beteiligung auch einer gro?eren Offentlichkeit von Experten am Runden Tisch im Gesprach mit Opferschutzverbanden. Von daher gab es da eine relative Einigkeit, dass man das so machen sollte, insbesondere auch unter der Perspektive der Pravention. Denn die Alternative ware ja, dass man diese Priester zum Beispiel aus dem Priesterstand entlasst, dass man sie laisiert und hier hatten uns auch Experten gesagt, es ist besser, wenn sie sozusagen Priester sind, so dass man dann auch unter Praventions- und Kontrollgesichtspunkten in dem Sinne noch ein Auge auf sie haben kann. Nichtsdestotrotz die Frage wird diskutiert. Wir stellen uns dieser Frage auch: Kann jemand, der Missbrauchstater war wirklich noch glaubwurdig als Priester arbeiten? Das ist eine offene Frage.

domradio.de: Unzahlige Menschen, die als Kinder und Jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind, sind oder waren nicht in der Lage ein Leben mit Erfolg und Liebe aufzubauen und sie verstehen nicht einmal, wie solche Tater bis an ihr Lebensende zum Beispiel von Kirche oder auch Staat Rente beziehen und bis an ihr Lebensende unterstutzt werden. Will denn die katholische Kirche der Frage weiter nachgehen, ob und wie jemand weiter glaubwurdig als Priester arbeiten kann, wenn er Missbrauchstater geworden ist. Sie sagen ja, aber wie?

Kronenburg: Wir werden dieser Frage auf jeden Fall weiter nachgehen. Es ist ja auch so, die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz sind in Kraft gesetzt fur drei Jahre, das hei?t im kommenden Jahr ist ohnehin angedacht, sich die Leitlinien noch einmal anzuschauen. Auch mit den Erfahrungen, die man jetzt in dieser Zeit eben gesammelt hat, zu schauen, ist das wirklich alles so, wie es sein sollte. Und dann muss man schauen, ob es da Verbesserungs-, Anpassungsbedarf gibt. Von daher tragen einfach die Erfahrungen und durchaus auch die offentliche Kritik, die jetzt hier geau?ert wird, mit Sicherheit dazu bei, da noch einmal kritisch darauf zu schauen, ob die Leitlinien wirklich so festgeschrieben sind in jedem Punkt, wie es sein sollte.

Das Interview fuhrte Monika Wei? (domradio.de)

 

 

 

 

 




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