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Sex-ring in Rom Konnte Burde Fur Den Papst Werden

Die Welt
June 27, 2013

http://www.welt.de/politik/ausland/article117486072/Sex-Ring-in-Rom-koennte-Buerde-fuer-den-Papst-werden.html#disqus_thread

Papst Franziskus sieht sich einem neuen Sex-Skandal ausgesetzt

Der ehemalige Carabiniere stellt wie immer das Auto in der Via Giolitti in der Nahe des Romer Hauptbahnhofs Termini ab. Er bleibt sitzen und wahlt die Jungen aus. Meist sind es Roma, die ihren Korper fur 150 bis 500 Euro auf dem Schwulenstrich feilbieten. Sie haben kein Geld, die Familie hilft ihnen nicht. Sie mussen sich verkaufen, um irgendwie uber die Runden zu kommen.

Der Ex-Polizist arbeitet nicht allein. Er hat zwei Helfer. Der eine gibt sich als Chef einer Modelagentur aus. Er verspricht Karrieren, die nicht auf der Buhne, sondern im Bett enden. Der andere ist fur die Zahlungen zustandig, alles schwarz naturlich. Das Trio muss diskret vorgehen. Denn: Unter den Kunden des Prostitutionsrings sind neun Geistliche der katholischen Kirche in Rom. Einfache Pfarrer, aber auch ranghohe Pralaten.

Erzahlt hat das alles im vergangenen Marz der ehemalige Priester Patrizio Poggi einer Spezialeinheit der Romer Polizei. Die italienischen Medien und Nachrichtenagenturen griffen die Aussagen Don Poggis diese Woche auf. Staatsanwaltin Maria Monteleone hat Ermittlungen aufgenommen. Gegen drei Personen gibt es bislang konkrete Verdachtsmomente. Darunter sei aber kein Geistlicher, schreibt die Tageszeitung "Corriere della Sera".

Vorsicht ist geboten

Stimmt die Geschichte? Vorsicht ist auf jeden Fall geboten. Poggi, ehemaliger Priester der Gemeinde Filippo Neri im Norden Roms, ist selbst ein Sunder. Er verging sich in den 90er-Jahren an Minderjahrigen. Funf Jahre verbu?te er im Romer Gefangnis Rebibbia.

Es ist nicht auszuschlie?en, dass er aus Missgunst gegenuber der Kirche handelt. Er selbst weist das von sich. Sein Gewissen weise ihm den Weg, soll er den Beamten laut dem "Corriere della Sera" gesagt haben.

Sollte Don Poggis Version der Wahrheit entsprechen, dann hatte die katholische Kirche ihren nachsten Skandal. In den vergangenen Jahren wurde sie von einer regelrechten Serie erschuttert. Das delikateste Thema ist Kindermissbrauch. Es haufen sich die Berichte und Beweise, dass Geistliche sich an Minderjahrigen vergangen haben.

Auch Deutschland ist betroffen. Die Deutsche Bischofskonferenz gab eine Studie zum Thema in Auftrag. Sie kundigte allerdings den Vertrag Anfang 2013, weil es zu einem Streit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen kam. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann wurde zum Beauftragten fur die Aufklarung der Missbrauchsfalle in Deutschland ernannt.

Prostitutionsring ware Burde fur Papst

Ein Prostitutionsring ware auch eine Burde fur den neuen Pontifex. Papst Franziskus will gegen Missstande vorgehen. Er hat sich vorgenommen, die romische Kurie zu reformieren und die Vatikanbank von schmutzigem Geld zu saubern. Dazu ernannte er am Mittwoch eine Untersuchungskommission und berief auch eine Professorin der US-Eliteunversitat Harvard.

Auseinandersetzen muss er sich auch mit einer "Schwulen-Lobby" in der Kurie. Die Existenz solcher homosexuellen Seilschaften im Vatikan, uber die jahrelang nur gemutma?t wurde, gab Franziskus unlangst auf einer Audienz von lateinamerikanischer Orden zu.

Seine Worte, die nicht fur eine breite Offentlichkeit bestimmt waren, drangen nach au?en und losten eine gro?e Medienwelle aus. Franziskus wurde in den Aufzeichnungen wie folgt zitiert: "Es ist die Rede von der 'Schwulen-Lobby', und es stimmt. Es gibt sie. Wir mussen sehen, was wir tun konnen." Der Vatikan dementierte nicht.

Kirche reagiert erbost

Auf die Vorwurfe Don Poggis reagiert die Kirche erbost. Agostino Vallini, Kardinalvikar der Diozese Rom und Erzpriester der Lateranbasilika, spricht von "Verleumdung": "Ich bin fest davon uberzeugt, dass die verleumderische Plan in seine Einzelteile zerlegt wird. Die Behauptungen werden sich als nicht wahrheitsgetreu herausstellen."

Die Priester und Pralaten, die Don Poggi der Polizei genannt habe, behielten sich rechtliche Schritte vor. "Wem nutzt es, ein neuen Skandal zu produzieren und die Priester in den Schmutz zu ziehen", fragt Vallini. "Die Kirche wird so diskreditiert."

Don Poggi hat angeblich keine Rache im Sinn. Der Polizei soll er laut dem Corriere della Sera ein anderes Motiv genannt haben. "Ich wurde als Seminarist in Florenz vom Rektor sexuell belastigt und misshandelt", soll Don Poggi gesagt haben. Doch der Vorwurf ist schwer zu belegen. Die vermeintlichen Peiniger sind tot.

 

 

 

 

 




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