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Theologe Uber Tebartz-van Elst: "Eines Bischofs Unwurdig"

By Birger Menke und Peter Wensierski
Spiege
September 3, 2013

http://www.spiegel.de/panorama/theologe-hermann-haering-kritisiert-tebartz-van-elst-a-920233.html

Bischof Tebartz-van Elst: "Ablenkungen und Verschleierungen"

Seit Monaten steht der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst fur seine Amtsfuhrung in der Kritik. Nun meldet sich der renommierte Theologe Hermann Haring zu Wort: In einem Brief tadelt er den Bischof mit scharfen Satzen - und sieht in dem Fall ein grundsatzliches Problem der Kirche.

Limburg - Der Theologe Hermann Haring hat in einem Brief an Limburger Pfarrer den Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst scharf kritisiert. In dem wortgewaltigen Schreiben konstatiert Haring, "dass in der Amtsfuhrung von Bischof Tebartz-van Elst keine Korrektur zu erwarten ist".

Nach Haring seien "Ablenkungen und Verschleierungen, Ausfluchte, Vertrostungen und halbrichtige Behauptungen" zur Routine geworden. Dieses Verhalten habe "ein jedes Vertrauen in das, was uns der Bischof und seine offiziellen Instanzen zur Selbstverteidigung erklaren, schwinden lassen".

Haring, ein renommierter Theologe, Kritiker von Benedikt XVI. und ehemaliger Mitarbeiter Hans Kungs, entladt enormen Frust in seinem Brief. Es ist ein weiteres Schreiben in diesem Konflikt, nachdem erst die Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken sowie Priester und Laien in einem offenen Brief gegen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst rebellierten, ehe der Geistliche selbst mit einem reuigen Schreiben reagierte.

Tebartz-van Elst steht seit Monaten wegen seines Fuhrungsstils und angeblicher Verschwendung in der Kritik: Die Kosten fur seinen neuen Bischofssitz sind explodiert, inzwischen musste er zugeben, dass der Gesamtbau wesentlich mehr als 10 Millionen Euro kosten wurde. Viel Wirbel machte sein Flug erster Klasse nach Indien im vergangenen Jahr, den er zwischenzeitlich bestritt und dann doch einraumen musste. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen falscher eidesstattlicher Versicherung.

"Nicht fahig, sich selbst zu beobachten"

"Dieser enorme Vertrauensverlust ist ein unhaltbarer Zustand, den ein Bistum nicht verdient, der eines Bischofs unwurdig ist und die Betroffenen im Grunde verhohnt", schreibt nun Haring in seinem Brief. Und weiter: "Ganz offensichtlich ist dieser Kirchenmann uberhaupt nicht fahig, sich selbst zu beobachten und in eine selbstkritische Beziehung einzutreten, seine Schwachen zu erkennen und etwas zuzugeben, vielleicht Reue zu zeigen, geschweige denn daruber zu reden und sein Verhalten konkret zu andern."

Haring sieht den Fall Tebartz-van Elst gar als beispielhaft fur die Praxis der Kirche unter den beiden vorherigen Papsten: Bischofe seien bislang nur dann berufen worden, "wenn sie absolut obrigkeitshorig waren und sich von personlichen Sonderproblemen der Glaubigen nicht irritieren lie?en". Der Fall sei deshalb so wichtig, "weil er eine Mentalitat blo?legt, die sich - gedampfter vielleicht - bei vielen Bischofen eingenistet hat".

Den Brief des Bischofs nennt Haring einen "zarten, geradezu angstlichen Beginn einer Annaherung", der "noch vieler vieler Schritte" bedurfe.

Einen Schritt ging Tebartz-van Elst mittlerweile: Am Donnerstag ladt er in den neuen Bischofssitz auf der Limburger Domplatte ein. Es sollen Gruppenfuhrungen stattfinden. Wahrend der Bauphase war das Objekt streng abgeschirmt worden. Nach SPIEGEL-Informationen konnten Handwerker den Bau jedoch dokumentieren. Am Montag sagte Tebartz-van Elst bei einer Veranstaltung in Konigstein, es stunden Sachen in den Zeitungen, "die gar nicht stimmen". Er fuhle sich ohnmachtig.

Haring schreibt am Ende seines Briefes: "Falls er sein Amt nicht zur Verfugung stellt, hat er noch einen dornigen Weg vor sich."

 

 

 

 

 




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