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Italienische Pfarrer Auf Abwegen: Bunga-bunga in Albenga

By Hans-Jurgen Schlamp
Spiegel
October 24, 2014

http://www.spiegel.de/panorama/bistum-albenga-imperia-in-italien-pfarrer-auf-abwegen-a-999027.html

Die Cattedrale di Albenga: In dem Bistum Albenga-Imperia treiben einige Pfarrer ihr Unwesen

Albenga ist eine kleine Stadt an der Kuste Liguriens im Nordwesten Italiens. Rund 23.000 Menschen leben dort, es gibt eine Kathedrale mit Grundmauern aus dem 11. Jahrhundert und einen Bischof, der seit einem Vierteljahrhundert die Messen liest - gerne in lateinischer Sprache. Bischof Mario Oliveri hei?t der Geistliche, und derzeit hat er andere Sorgen als seine Messe und au?erdem ungewohnte Gesprachspartner: Staatsanwalte und aufgeschreckte Emissare aus Rom.

Skurrile Geschichten aus dem Innenleben des kleinen von Oliveri geleiteten Kirchenreichs beschaftigen die Offentlichkeit schon seit Langerem. Zu seinem Bistum gehoren die Nachbarstadt Imperia und etliche Kommunen im Umland. In einer davon geht es zum Beispiel um einen Pfarrer, der versetzt wurde, weil er eine Geliebte gehabt haben soll. Nicht gerade gut-katholisch.

Dessen Nachfolger machte keine bessere Figur, theologisch gesehen zumindest. Er posierte nackt auf einer Internetseite fur Schwule. Bei offiziellen Kirchendingen au?er Haus arbeitete er regelma?ig hinter der Theke einer Bar, die nicht nur Kaffee und Schnaps, sondern auch Sex mit Prostituierten angeboten haben soll. So erzahlt man es jedenfalls im Ort, so steht es auf Blogs und in Lokalzeitungen.

Klatsch von "unbefriedigten Weibern"

Ein anderer Hirte brannte mit der Kirchenkasse durch. Dessen Nachfolger machte wegen eines engen Freundes von sich reden. Der Pfarrer stand nicht nur auf Bodybuilding, sondern erregte sich lautstark uber die uble Nachrede von bosen "unbefriedigten Weibern" uber sich selbst und seinen Freund.

Im Ortchen Diano San Pietro wiederum emporte sich der Hafenkommandant uber den ortlichen Pfarrer. Der habe wahrend der Prozession ungeniert seine Gattin angebaggert. Ein weiterer Gottesmann aus der Region baggerte ganz anders, aber nicht weniger dezent: Er prasentierte sich auf Facebook, nackt.

Viele solcher Geschichten kursieren in der Diozese. Manche sind vielleicht blo?e Geruchte, andere eher Schmunzel-Storys aus dem Kirchenleben. Aber nicht alle sind amusant.

Ein Priester soll angeblich junge Touristinnen am Strand begrabscht haben. Andere Kirchendiener sollen sich an Menschen, die ihnen vertrauten, vergangen haben. "Dutzende Ermittlungen" hatten Staatsanwaltschaften der Region in den vergangenen Jahren gegen Kirchendiener eingeleitet, berichtet die Tageszeitung "La Repubblica".

Ein "Helfer" fur den Bischof

Zumindest ein Fall ist offentlich bekannt, in dem ein Pfarrer zu sieben Jahren und acht Monaten Haft verurteilt wurde, weil er einen Messdiener sexuell missbrauchte. In etlichen weiteren Fallen laufen die Ermittlungen demnach noch. Seit ein paar Wochen kummert sich auch der Vatikan intensiver um die Gemeinde und den "Bischof der Skandale", wie die regionale Nachrichtenseite "Il Secolo XIX" Oliveri nennt.

Papst Franziskus schickte den Vatikan-Diplomaten Adriano Bernardini an die ligurische Kuste, um den womoglich verruchten und verworfenen, gewiss aber verworrenen Vorgangen vor Ort nachzuspuren.

Bernardinis Bericht muss wohl desastros ausgefallen sein. Denn seit Anfang dieser Woche berichten italienische Medien ubereinstimmend, dass der Papst in Kurze dem Albenga-Bischof einen "Helfer" zur Seite stellen werde. Der werde faktisch die Amtsgeschafte ubernehmen, der 70 Jahre alte Oliveri durfe freiwillig in den wohlverdienten Ruhestand gehen.

Seit einigen Wochen erschuttern weitere strafrechtliche Ermittlungen die Provinz. Luisa Bonello, eine Arztin aus Savona, hatte den priesterlichen Missbrauch an einigen ihrer Patienten dokumentiert. Sie stand an der Spitze derjenigen, die Aufklarung im Bistum fordern, sie berichtete nach Rom und sprach sogar mit dem Papst.

Im Bistum wurde sie deshalb diskreditiert, sie sei "seelisch verwirrt" lie?en Kirchenleute verbreiten. Ihren Beichtvater durfte die praktizierende Katholikin Bonello nicht mehr besuchen. Einen Tag vor einer geplanten Reise nach Rumanien, wo sie eine Kinderambulanz eroffnen wollte, wurde sie tot aufgefunden, vermutlich Suizid. Die genauen Umstande sind ungeklart. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eroffnet, wegen "Anstiftung zum Suizid".

 

 

 

 

 




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