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  Entschadigung: Suhne Muss Weh Tun

By Matthias Drobinski
The Sueddeutsche
September 16, 2010

http://www.sueddeutsche.de/politik/jesuiten-setzen-bischoefe-unter-druck-suehne-muss-weh-tun-1.1000596

"Sonst verraten wir unseren Auftrag": Der Jesuiten-Orden prescht vor und will Missbrauchsopfer entschadigen - ohne Absprache mit der Kirchenfuhrung. Jetzt stehen die deutschen Bischofe unter Druck.

Der Jesuitenorden wird als erste Gemeinschaft der katholischen Kirche Opfern sexueller Ubergriffe Entschadigungen anbieten, unabhangig von den deutschen Bischofen. Stefan Kiechle, als Provinzial oberster Vertreter der Jesuiten in Deutschland, sagte der Suddeutschen Zeitung, die Summe werde "im vierstelligen Bereich" liegen.

Statuen im Garten des Bonner Alosius-Kollegs der Jesuiten, in dem Schuler sexuell missbraucht wurden: Der Orden will Opfern pauschal und einmalig 5000 Euro anbieten. ( AP)

Man diskutiere, pauschal und einmalig 5000 Euro anzubieten, dies sei aber "noch nicht entschieden". Eine unabhangige Kommission solle klaren, wer Anspruch auf das Geld habe. Fur die Zahlungen sollen weder Spendenmittel verwendet noch Geld aus Projekten abgezogen werden, sagte Kiechle, "wir werden unseren Lebensstil einschranken mussen".

Die Suhne musse "weh tun" - "sonst verraten wir unseren Auftrag". Im Januar war bekannt geworden, dass Jesuitenpatres an mehreren vom Orden getragenen Schulen in den achtziger Jahren Schuler sexuell missbraucht hatten. Bislang haben sich 200 Opfer gemeldet.

Das Vorgehen der Jesuiten setzt die deutschen Bischofe unter Druck, die sich von Montag an zur Herbstvollversammlung in Fulda treffen. Die Bischofskonferenz hat zwar erklart, dass sie im Prinzip bereit sei, Opfer von sexuellen Ubergriffen zu entschadigen, kann sich aber offenbar derzeit nicht auf einen Modus einigen, wie das geschehen soll. Ein Treffen von Vertretern der Bischofe und der Orden blieb ergebnislos.

Eine Sprecherin der Bischofskonferenz sagte, man wolle einen eigenen Vorschlag in die Beratungen des runden Tisches gegen sexuelle Gewalt am 30. September einbringen. Ob dieser Vorschlag in Fulda beschlossen werde, sei noch unklar. Beobachter gehen davon aus, dass es bis zum 30. September keine Einigkeit geben wird. Der Unmut mancher Bischofe uber das Vorgehen der Jesuiten sei gro?. Kiechle betonte dagegen, dass der Orden "nicht an der Bischofskonferenz vorbei oder gar gegen die Bischofe" handeln wurde. "Aber wir sehen, dass wir jetzt ein Zeichen setzen mussen, damit es um der Opfer willen vorangeht", sagte der Provinzial. Dies sei "eine Frage unserer Wahrhaftigkeit und unseres Selbstverstandnisses".

Matthias Katsch, Sprecher der Opfer-Organisation "Eckiger Tisch", wurdigte, "dass die Jesuiten nun vorangehen", eine Summe von 5000 Euro sei aber "in keiner Weise angemessen". Man sei "solidarisch mit der Vereinigung der Heimkinder am runden Tisch". Die Heimkinder fordern gestaffelte Zahlungen zwischen 20.000 und 120.000 Euro oder eine pauschalierte Zahlung von 54.000 Euro. Die Summe sei nicht ubertrieben, sagte Katsch: "Der Durchschnitt der in Deutschland und Osterreich in den vergangenen Jahren gerichtlich verhangten Schmerzensgelder fur psychische Beschadigungen betragt 82.000 Euro, wir bleiben deutlich darunter."

Am Samstag wollen sich Vertreter des "Eckigen Tisches" und des Jesuitenordens in Berlin treffen. Dort sollte der Orden "das Kleingedruckte des Vorschlags erlautern", sagte Katsch. "Es werden aber manche Opfer sagen: ,Uber so geringe Summen reden wir erst gar nicht.'"

 
 

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