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Missbrauchsopfer Erfahrt Anerkennung Im Erzbistum Freiburg

Badische Zeitung
May 28, 2015

http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/suedwest/missbrauchsopfer-erfaehrt-anerkennung-im-erzbistum-freiburg--105429824.html

Die katholische Kirche tut sich oft schwer, Missbrauchsfalle zu thematisieren. Foto: dpa

Eigentlich ist das Bistum Munster fur den Fall zustandig, weil der beschuldigte katholische Pfarrer dort lebt und arbeitet (siehe BZ vom 10. April). Seit fast einem Jahr aber schiebt die dortige Missbrauchskommission eine Entscheidung vor sich her. Standig setzte sie dem mutma?lichen Opfer einer 48-jahrigen Frau aus der Nahe von Freiburg in den vergangenen Monaten neue Ansprechpartner fur Anhorungen vor. Das Bistum Freiburg hatte indes an der Glaubwurdigkeit des Opfers langst keine Zweifel mehr und entschied den Fall ohne weitere Absprache mit Munster.

Dass ein Bistum einem anderen Bistum bei der Anerkennung des Leids zuvorkomme, habe er in dieser Form noch nicht gesehen, sagte der Jesuitenpater und Direktor des Kollegs St. Blasien, Klaus Mertes. Dies sei ein "Sprengsatz". Als damaliger Leiter des Canisius-Kollegs in Berlin hatte Mertes 2010 die Aufdeckung von Missbrauchsfallen in der katholischen Kirche ausgelost.

Der beschuldigte Pfarrer bestreitet jegliche Vorwurfe

Die 48-jahrige Frau hatte im Juli 2014 gegenuber der Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums Freiburg angegeben, als junges Madchen von dem Pfarrer, einem Freund der Familie, ab den fruhen 70er-Jahren uber viele Jahre immer wieder sexuell missbraucht worden zu sein. Der beschuldigte 73-Jahrige bestreitet auch nach drei Anhorungen, die Taten begangen zu haben. Er arbeitet derzeit noch als Pfarrer in einer Gemeinde im Bistum Munster, allerdings hat er unlangst angekundigt, nach 48 Priesterjahren zum 1. September in den Ruhestand zu gehen, wobei er auch als emeritierter Pfarrer auf Abruf im Dienst bleiben mochte. Der Sprecher des Bistums Munster, Stephan Kronenburg, sagte gegenuber der BZ, dass der Ruckzug des Pfarrers nichts mit den gegen ihn erhobenen Vorwurfen, "sondern nur mit seinem Alter" zu tun habe. Seine umfangreichen Schilderungen stunden im Widerspruch zum Inhalt der Aussagen des moglichen Opfers.

Robert Eberle, Sprecher des Erzbistums Freiburg, bestatigte, dass man einen Betrag an das Opfer uberwiesen habe. Eine genaue Summe wollte er nicht nennen, da man dies grundsatzlich nicht mache. Gema? einer Empfehlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ist die Zahlung von 5000 bis 7000 Euro ublich. Eberle betonte aber, dass man im Erzbistum Freiburg haufig mehr als diese Summe zahle. Im Fall der Frau aus der Nahe von Freiburg hatte die Zentrale Koordinierungsstelle der DBK in Bonn, die einzelne Missbrauchsfalle pruft, den Hochstbetrag empfohlen.

Das Bistum Munster will das Opfer erneut befragen

In Munster will man derweil den Sachverhalt "soweit das moglich ist" weiter klaren, sagte der Bistumssprecher Kronenburg. Dafur sei es notwendig, die Frau ein weiteres Mal zu befragen, begleitend biete man ihr eine psychologische Betreuung an.

Klaus Mertes sagte, dass der Munsteraner Bischof Felix Genn einen rechtsstaatlichen, juristischen Diskurs fuhre und in dem Dilemma sei, den Pfarrer entlassen zu mussen, wenn er dem mutma?lichen Opfer glaube. Davor scheue Genn wohl zuruck, denn im Zweifelsfall konne der mutma?liche Tater auch klagen. Eine Missbrauchskommission wie in Munster mit Anwalten und Kripobeamten halt Mertes fur eine "hoch fehlerhafte Konstruktion". Von der Kirche ganz unabhangige Missbrauchsbeauftragte mussten entscheiden. "Diese Unabhangigkeit des Missbrauchsbeauftragten ist entscheidend."

 

 

 

 

 




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